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Franka Lingua & Kollegen

Sprachspione

von Franka Lingua & Kollegen

Woher kommt diese Redewendung? Kennen Sie dieses Wort? Wer hat Angst vor Anglizismen? Hier bloggen die Spracharbeiter. Franka Lingua und Kollegen graben im deutschen Sprachschatz nach Perlen, Scherben, Bruchstücken und Schmuckstücken. Freuen Sie sich auf ihre Funde und graben Sie mit!

Über Geld spricht man! Und wie!

“Na, du bist dein Geld wert!”, rief meine Oma früher immer, wenn ich mal wieder durch strategisches Faxenmachen davon ablenken wollte, dass ich ins Bett sollte. Ich habe zwar weder verstanden, warum meine Oma mich verkaufen wollte, noch, was sie mit “dein Geld” meinte, denn so etwas wie Taschengeld gab es erst Jahre später. Ich glaube, ich wusste damals nicht einmal, was das sein soll: Geld? Aber eine Ahnung muss ich trotzdem gehabt haben, denn auf das Du-bist-dein-Geld-wert folgte meist eine Zeitzulage von fünf bis zehn Minuten, die ich länger aufbleiben durfte.

“Naja, wir haben Sie damals eingestellt, weil sie günstiger waren als die anderen“. Mit diesen Worten, so erzählte mal eine Bekannte, quittierte der Firmenchef die Kündigung seiner Mitarbeiterin und räumte damit auch das letzte Zweifelsquäntchen, ob man wirklich hätte kündigen sollen, mit Grandezza aus dem Weg.

Ich hörte mir die Geschichte an, sah in das Gesicht meiner Bekannten, sah weder Wut noch Empörung, allenfalls Verwunderung darüber, wie Menschen sein können. Zum Glück hat die so Verabschiedete schnell einen neuen Job gefunden, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Ich musste an den Spruch meiner Oma denken. Offenbar war die Mitarbeiterin als Angestellte der Firma ihr Geld wert gewesen. Das Problem war nur, dass sie, die Angestellte, fand, die Firma sei das Geld nicht wert gewesen, weswegen sie ja schließlich auch dankend darauf verzichtet hatte. In der neuen Firma hat sie zwar zunächst etwas weniger verdient, “aber das war es allemal wert”, sagt sie. Und fügt hinzu: “Geld stinkt nicht, sagt man. Vielleicht stimmt das ja auch. Aber was nützt mir das, wenn die Arbeit, für die ich das Geld bekomme, zum Himmel stinkt?”

Und jetzt sind Sie dran:

Welche Redewendungen aus dem Volksmund kennen Sie, in denen es ums Geld geht? Und: Finden Sie, dass der Volksmund in diesen Fällen Recht hat?

Gespannt auf Ihre Einsendungen grüßt Sie:

Ihre Franka Lingua

Januar


Wir sind mitten im Januar. Zeit, sich zu fragen, warum. Warum heißt der der erste Monat im Jahr “Januar”? Weiterlesen »

Wer genau hinhört, wie den Leuten der Schnabel gewachsen ist, für den war die “Wer wird Millionär?”-Sendung am Freitag, 8. Januar, ein gefundenes Fressen. Etwa 40 Minuten waren vergangen, die dritte Kandidatin spielte um 4000 Euro, da gab es ‑ selten genug in dieser Sendung ‑ eine Frage zum richtigen Deutsch. “Was ist kein populärer Grammatikfehler? A: Es fand erstmalig statt, B: der einzigste Kandidat, C: im August dieses Jahres, D: bestmöglichste Versorgung.”

Die Kandidatin tippte spontan auf D, wurde dann aber unsicher. Obwohl Moderator Günther Jauch (und wir mit ihm) gespannt gewesen wären, was eine Umfrage unter den 200 Studiogästen ergeben hätte, schloss die Kandidatin zunächst mit dem 50:50-Joker die Antworten A und B als falsch aus und befragte dann das Publikum. Das Ergebnis war immer noch erstaunlich genug: 64 Prozent hielten C für die richtige Lösung, 34 Prozent D (und je 1 Prozent fanden doch A und B attraktiver).Das sind so die Momente, wo man doch erst mal tief durchschnaufen muss. Sollen wir es mal eben aufklären? Also: A ist falsch, weil “erstmals” nur als Adverb, das immer etwas bürokratisch klingende “erstmalig” dagegen nur als Adjektiv verwendet werden kann. Man darf sich da nicht vom ähnlich klingenden einmalig täuschen lassen, das in beiden Fällen funktioniert. Bei A wäre demnach richtig “Es fand erstmals statt” oder “Es war die erstmalige Veranstaltung”.

“Der einzigste Kandidat” unter B wiederum ist ein Auswuchs unserer von Superlativen überschwemmten Zeit: Wer einzig ist, ist ja schon einmalig, noch “einziger” geht einfach nicht, eine Steigerung ist nicht möglich. Der einzige, der sich das erlauben durfte, war der verliebte Dichter Johann Wolfgang von Goethe: “Gute Nacht, Engel. Einzigstes, einzigstes Mädchen, und ich kenne ihrer viele.

Ganz ähnlich geht es bei der “bestmöglichsten Versorgung” unter D zu. Bestmöglich ist bereits ein Superlativ und kann nicht gesteigert werden. Doppelt hält hier keineswegs besser. Wer sein Bestmögliches tut, kann nicht noch sein Bestmöglichstes draufsatteln.

Wie schnell sich falsches Deutsch einschleift, zeigt schließlich die richtige Lösung C. Die Kandidatin äußerte gleich zu Beginn spontan, es müsse doch “diesen Jahres” heißen, und  gut ein Drittel des Publikums gab ihr recht. Da haben die Medien mit stetem Tropfen die Hirne gehöhlt. Selbst der ehemalige Chefsprecher der “Tagessschau”, Jo Brauner, hat eingestanden, dass er hier sein ganzes Berufsleben falsch dekliniert habe.

Kurzum: Der Genitiv heißt “dieses Jahres”, weil “dieses” und “jenes” genauso verwendet werden wie “mein”, “dein” und “sein”. Denn wir sagen ja auch nicht “Er schwur ihr Treue bis ans Ende seinen Lebens” oder “Sie ist ganz die Tochter ihren Vaters”. Richtig ist dagegen “im August vergangenen Jahres”,  “im August letzten Jahres” oder im “August vorigen Jahres” ‑ wer hier zur besseren Klarheit ein “des” einfügt, bemerkt den perfekten Genitiv.

So, damit reicht es aber auch mit dem Kritikastertum dieses Textes. Dass es zwei Joker braucht, bis am Ende richtiges Deutsch herauskommt, findet allerdings doch bemerkenswert

‑  mit zauberhaften Grüßen ‑

Theodor Kant

Zwischen den Jahren

Frohes neues Jahr an die Leserschaft! Silvester dürfte bei den meisten zwar schon aus den Knochen sein. Dennoch wird man ja wohl noch fragen dürfen: Warum um Himmels Willen nennt man die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr eigentlich “zwischen den Jahren”? Weiterlesen »

Jedes Jahr das Gleiche: Wenn ich im Weihnachtsgottesdienst neben meinem Bruder das Lied “Stille Nacht, heilige Nacht” singe, müssen wir uns an einer bestimmten Stelle angrinsen. Weil wir an den alten Witz vom “Owi” denken müssen. Nie gehört? Also: Die Kinder müssen in der Schule ein Krippenbild malen. Auch der kleine Fritz zeichnet den Stall mit Maria, Joseph, Kind in der Krippe, Hirten und Engeln. Zuletzt malt er noch ein grünes Männchen, das über beide Backen lacht. “Wer ist denn das?”, fragt die Lehrerin verdutzt. “Na, das ist doch der Owi.” - “Der Owi? Wo kommt der denn her? - “Na, im Lied heißt es doch “Gottes Sohn, Owi lacht.”Ein Fall für Axel Hacke und seinen “weißen Neger Wumbaba”. Der erzählt auch von der Textzeile aus dem Lied „Ihr Kinderlein kommet” bei der so mancher statt „Hoch droben schwebt jubelnd der Engelein Chor” versteht „Hoch droben schwebt Joseph den Engeln was vor.” Doch abgesehen von solchen Verständnisfehlern: Verstehen Sie immer, worum es in den alten Weihnachtsliedern geht?

Besonders schwer machen es uns Gesänge mit lateinischen Einsprengseln. “Als ich bei meinen Schafen wacht” etwa endet nach jeder Strophe mit dem Satz „Benedicamus domino! (Lasst uns preisen den Herrn!) Es ist derselbe Satz, der am Ende der katholischen Messe gesungen wird, wenn das „Ite, missa est” (Gehet hin, es ist die Aussendung!, heute übersetzt als „Gehet hin in Frieden!) wegfällt. Das wissen heute selbst viele Katholiken nicht mehr.

Noch bekannter ist der Fall von “O dulci jubilo”, einem mittelalterlichen Lied aus dem 14. Jahrhundert, in dem der deutsche Text ständig mit lateinischen Phrasen wechselt, die sich sogar reimen. Fünf Strophen lang - und das große Latinum liegt doch schon so lange zurück. Hier die erste in frühesten gesicherten Fassung, die Peter von Dresden 1440 veröffentlichte: „O dulci jubilo (O süße Freude),/nun singet und seid froh. Alle uns‘re Wonne/ leit in praesepio (in der Krippe)!/ Sie leuchtet wie die Sonne,/ Matris in gremio/ Alpha es et O (Du bist das Alpha und das Omega)!” (Übersetzung weiterer Strophen hier; mehrere Fassungen sind hier zusammengestellt, Noten und rein deutsche Fassung gibt es hier).

Doch nicht nur die lateinischen Worte, auch manches Deutsche kommt einem in die Quere. Das „leit” aus der Zeile „leit in praesepio” hat keineswegs etwas mit leiten zu tun, sondern heißt ‑ wie heute noch im Plattdeutschen ‑ „liegt”.

Was ich auch nicht wusste: Den Textmix aus verschiedenen Sprachen nennt man (gewöhnlich allerdings bei komischen Versen) makkaronisch. Es sind wortwörtlich Nudelverse, die da wie geschnittene Makkaroni zusammenfallen. Na, da gibt es zu Weihnachten in der Kirche wieder was zu grinsen…

Und wenn Sie jetzt mal wieder Lust haben, ein Weihnachtslied anzustimmen und den Text vergessen haben: Hier finden Sie als Erste Hilfe die Strophen von 50 Weihnachtsliedern.

Damit wünscht Ihnen ein frohes, klangvolles Weihnachtsfest

Ihr Theodor Kant

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