Wer genau hinhört, wie den Leuten der Schnabel gewachsen ist, für den war die “Wer wird Millionär?”-Sendung am Freitag, 8. Januar, ein gefundenes Fressen. Etwa 40 Minuten waren
vergangen, die dritte Kandidatin spielte um 4000 Euro, da gab es ‑ selten genug in dieser Sendung ‑ eine Frage zum richtigen Deutsch. “Was ist kein populärer Grammatikfehler? A: Es fand erstmalig statt, B: der einzigste Kandidat, C: im August dieses Jahres, D: bestmöglichste Versorgung.”
Die Kandidatin tippte spontan auf D, wurde dann aber unsicher. Obwohl Moderator Günther Jauch (und wir mit ihm) gespannt gewesen wären, was eine Umfrage unter den 200 Studiogästen ergeben hätte, schloss die Kandidatin zunächst mit dem 50:50-Joker die Antworten A und B als falsch aus und befragte dann das Publikum. Das Ergebnis war immer noch erstaunlich genug: 64 Prozent hielten C für die richtige Lösung, 34 Prozent D (und je 1 Prozent fanden doch A und B attraktiver).Das sind so die Momente, wo man doch erst mal tief durchschnaufen muss. Sollen wir es mal eben aufklären? Also: A ist falsch, weil “erstmals” nur als Adverb, das immer etwas bürokratisch klingende “erstmalig” dagegen nur als
Adjektiv verwendet werden kann. Man darf sich da nicht vom ähnlich klingenden einmalig täuschen lassen, das in beiden Fällen funktioniert. Bei A wäre demnach richtig “Es fand erstmals statt” oder “Es war die erstmalige Veranstaltung”.
“Der einzigste Kandidat” unter B wiederum ist ein Auswuchs unserer von Superlativen überschwemmten Zeit: Wer einzig ist, ist ja schon einmalig, noch “einziger” geht einfach nicht, eine Steigerung ist nicht möglich. Der einzige, der sich das erlauben durfte, war der verliebte Dichter
Johann Wolfgang von Goethe: “Gute Nacht, Engel. Einzigstes, einzigstes Mädchen, und ich kenne ihrer viele.
Ganz ähnlich geht es bei der “bestmöglichsten Versorgung” unter D zu. Bestmöglich ist bereits ein Superlativ und kann nicht gesteigert werden. Doppelt hält hier keineswegs besser. Wer sein Bestmögliches tut, kann nicht noch sein
Bestmöglichstes draufsatteln.
Wie schnell sich falsches Deutsch einschleift, zeigt schließlich die richtige Lösung C. Die Kandidatin äußerte gleich zu Beginn spontan, es müsse doch “diesen Jahres” heißen, und gut ein Drittel des Publikums gab ihr recht. Da haben die Medien mit stetem Tropfen die Hirne gehöhlt. Selbst der ehemalige Chefsprecher der “Tagessschau”, Jo Brauner, hat eingestanden, dass er hier sein ganzes Berufsleben falsch dekliniert habe.
Kurzum: Der Genitiv heißt
“dieses Jahres”, weil “dieses” und “jenes” genauso verwendet werden wie “mein”, “dein” und “sein”. Denn wir sagen ja auch nicht “Er schwur ihr Treue bis ans Ende seinen Lebens” oder “Sie ist ganz die Tochter ihren Vaters”. Richtig ist dagegen “im August vergangenen Jahres”, “im August letzten Jahres” oder im “August vorigen Jahres” ‑ wer hier zur besseren Klarheit ein “des” einfügt, bemerkt den perfekten Genitiv.
So, damit reicht es aber auch mit dem Kritikastertum dieses Textes. Dass es zwei Joker braucht, bis am Ende richtiges Deutsch herauskommt, findet allerdings doch bemerkenswert
‑ mit zauberhaften Grüßen ‑
Theodor Kant