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Franka Lingua & Kollegen

Sprachspione

von Franka Lingua & Kollegen

Woher kommt diese Redewendung? Kennen Sie dieses Wort? Wer hat Angst vor Anglizismen? Hier bloggen die Spracharbeiter. Franka Lingua und Kollegen graben im deutschen Sprachschatz nach Perlen, Scherben, Bruchstücken und Schmuckstücken. Freuen Sie sich auf ihre Funde und graben Sie mit!

Registerregistratur


Schon immer und gerade schon wieder frage ich mich, woher mein Unbehagen gegenüber Registern rührt. Warum mag ich Register nicht? Warum habe ich überhaupt vor allem, was mit Registern und Registrieren zu tun hat, einen seltsamen Respekt, einen Respekt, der nicht auf Bewunderung fußt, sondern auf Beklemmung?

Ein Blick ins Wörterbuch verrät mir verschiedene Bedeutungen des Wortes, von “Orgelpfeifengruppe mit charakteristischer Klangfärbung” bis zu “amtliches Verzeichnis rechtlicher Vorgänge (z.B. Standesregister)” - Orgelmusik, Recht… alles schöne Dinge, Dinge, die Ordnung verschaffen und Klarheit und Übersicht, sogar Schönheit. Warum also diese Registervorbehalte?

Zurück ins Wörterbuch: Die allgemeine und daher unter 1. aufgeführte Bedeutung von “Register” ist schlichtweg “alphabetisches Namen- oder Sachverzeichnis; Index”. Nicht mehr und nicht weniger. Was ist gegen eine Namensliste einzuwenden? Nichts! Warum dann also dieses Registergrummeln?

Liegt es vielleicht daran, dass ich neulich beim Finanzamt war, wo eine Dame vom Amt zu einer riesigen übervollen Regalwand lief und mit den Worten “dann wollen wir mal in Ihre Akte schauen” aus dem für den Buchstaben meines Nachnamens zuständigen Register einen Ordner zog, in der meine gesammelten Umsätze verbucht sind, also schwarz auf weiß und für immer und ewig festgehalten/registriert ist, was ich in all den Jahren geldmäßig verdient habe, wie wertlos ich also fürs Bruttoinlandprodukt (und hoffentlich nur für das!) bin?

Oder liegt es daran, dass man inzwischen überhaupt und überall registriert wird: fotografiert und katalogisiert, einsortiert und aussortiert, addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert, gescannt, gepixelt und gerastert?

Solange man darauf vertrauen kann, dass das so registrierte Material (mit anderen Worten: ich bzw. das, was man von mir festgehalten hat) in guten Händen ist, sehe ich auch hier keinen Grund zur Sorge.

Aber was, wenn nicht? Was, wenn irgendwann irgendjemand kommt, mir Wachstumsbeschleunigungsverweigerung vorwirft und beschließt, mich auszusortieren? Was dann?

fragt sich und ihre Paranoia und natürlich Sie da draußen:

Ihre Franka Lingua

Wenn einen die Vergangenheit einholt

Den Lateinunterricht in der Schule habe ich irgendwann gehasst. Wenn die Lehrer dröge sind, wirkt auch der Lehrstoff staubtrocken. Was sich aber trotzdem festgesetzt hat, sind ein paar grammatikalische Grundregeln. So zum Beispiel, dass das „nachdem” (lateinisch postquam) immer vorzeitig gebraucht wird. „Nachdem er die Post beantwortet hatte, ging er zum Mittagessen” - das Imperfekt „ging” bedingt für die vorausgehende Handlung das Plusquamperfekt „beantwortet hatte”.weiter...  Umso irritierender finde ich es, dass man inzwischen kaum noch eine Zeitung oder Zeitschrift aufschlagen kann, in der den Leser nicht die Vergangenheit einholt. Im „Spiegel” 08/2010 kann man etwa auf Seite 30 lesen: „[Vermögensverwalter Tilo] Berlin hat die erste Tranche für seinen Einstieg bei der Kärntner Bank ausgerechnet am 19. Dezember 2006 überwiesen - fünf Tage nachdem die BayernLB mit der Übernahme der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag scheiterte.” Hier ist der zeitliche Ablauf grammatikalisch aus den Fugen geraten, denn richtig muss es heißen: „nachdem die Übernahme…gescheitert war.” Auch fünf Tage sind eine Vergangenheit. Bei tz online war am 25. Dezember 2009 zu lesen: „Schauspieler Charlie Stehen machte auf sich aufmerksam, nachdem er seine Frau tätlich angegriffen hat.” Auch das Perfekt zum Imperfekt funktioniert nicht ‑, „nachdem er seine Frau tätlich angegriffen hatte”, nur so geht’s. Im oben erwähnten „Spiegel” wird das Ganze auf Seite 87 dann auch mal im Präsens versucht. „,Erkennt ihr Sie?‘ fragt die Tageszeitung ,Maariv‘ ihre Leser am Tag, nachdem die Polizei von Dubai die Fotos der mutmaßlichen Attentäter veröffentlichte.” Diesmal hat der Autor zwar an die Vorzeitigkeit gedacht, doch die falsche Form gewählt: Zum Präsens gehört nicht das Imperfekt („veröffentlichte”), sondern das Perfekt: „veröffentlicht hat”.

Über das, was da wohl in den Köpfen der Schreiber vorgeht, hat sich schon 1998 ein Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover Gedanken gemacht, als er den Probanden die Auswahl ließ zwischen den Sätzen “Bevor der Wissenschaftler die Arbeit veröffentlichte, trank er eine Tasse Kaffee”  und “Nachdem der Wissenschaftler die Arbeit veröffentlichte, trank er einen Kaffee”. Der Forscher stellte fest, dass sich bestimmte Gehirn-Areale mit dem richtigen ersten Satz schwerer tun als mit dem falschen zweiten. Aber ehrlich, ist das eine Entschuldigung?

Fragt mit zauberhaften Grüßen

Theodor Kant

Spannend!


Was Leute alles “spannend” finden! Man kann sich nur wundern. Ich weiß nicht, wie oft es mir schon passiert ist, dass ich irgendwo im öffentlichen Raum saß und zum unfreiwilligen Zeugen eines Dialogs wurde, der ungefähr so geht:

Person 1: “Sie glauben gar nicht, was da für Potenzial schlummert! Man könnte asjcbakjsbckajsb und sajkcbaksjbc und irgendwann sogar jkcbdvdjhvb!!”

Person 2: “Spannend!”

P 1: “Wenn wir erstmal die nscdnsdvbksv erledigt und das ajkkjvsdjbvkjbs fertig haben, wobei man natürlich bedenken muss, dass ksjdnksdbvkjdsvb, dann sajkbckjasbckjasbckjs!”

P 2: “Spannend.”

P1: “…dann können wir uns daran machen, afkjcskjbvsdv zu aktivieren, was natürlich nicht ganz ungefährlich ist, da man nie wissen kann, was sjdvbskdjbvsdbj …”

P 2: “Spannend.”

Ich frage mich dann immer, ob P2 das ernst meint oder sich nach Strich und Faden über P1 lustig macht. Ich weiß es nicht. Ist wohl von Fall zu Fall verschieden. Ist mir auch egal.

Was allerdings nicht egal, weil ziemlich spannend ist, ist die Frage, was “spannend” alles beinhaltet: Was finden wir spannend? Wann/unter welchen Umständen finden wir etwas spannend? Was passiert mit uns, wenn wir etwas spannend finden?

Eine schnelle Umfrage zwischen den Neuronen hat ergeben:

Weihnachten wird mit Spannung erwartet, vor allem von Kindern. Die Lottozahlen werden mit Spannung erwartet, vor allem von Erwachsenen.

Fußballfans ertragen die Spannung während des Spiels oft nur, wenn sie sie unter Einnahme größerer Mengen von Hopfensaft (der ja bekanntlich beruhigend wirkt) auf ein erträgliches Maß herabsenken.

Ob ich die Stelle bekomme oder nicht, bleibt nach wie vor spannend.

Geschickte Erzähler können Spannung erzeugen, ungeschickte können sie töten.

Wissenschaft ist spannend. Vorausgesetzt, man bekommt sie so erklärt, dass das Spannende/Wunderbare, das im Entdecken von neuen Erkenntnissen liegt, erhalten bleibt und nicht durch dröge Darstellung oder durch dem Verständnis unangemessenes Detailreichtum zunichte gemacht wird.

Ein Meister der Verzauberung durch Wissenschaft ist für mich der Physiker, Biologe und Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer. Was für ein begnadeter Wissenschafts-Erzähler! Er schafft das Kunststück, das Spannende der Natur ebenso spannend weiterzugeben, und zwar - und das ist das eigentliche Wunder - ohne dass es schäumt und blitzt und kracht, sondern nur durch Sprache! (Sprachspione-Leser werden mir das “nur” sofort ankreiden, womit Sie natürlich Recht haben.) Wobei die Vermutung nahe liegt, dass es bei derart spannender Lektüre eben doch schäumt und blitzt und kracht, allerdings nicht überm Bunsenbrenner, sondern unter der Schädeldecke des Lesers.

So. Um ehrlich zu sein: Bei mir lässt die Spannung langsam nach. Aber das Spannendste von allem ist ja sowieso:

Fröhliches Selberdenken!

Ihre Franka Lingua

Liebe Leserinnen und Leser des Sprachspione-Blogs!

Während die “Sprachspione” im WM-Fieber waren und keine Zeit zum Bloggen hatten, habt Ihr mit 31 Kommentaren (Stand 08. Juli, 09:15 Uhr) einen neuen Rekord aufgestellt. Und es war eine Freude zu lesen, was Ihr so an genialen, skurrilen und einfallsreichen Vorschlägen zu bieten hattet.

@Frame: Jogis Löwen - genial!

@Grunzgerd: So viele, wunderbare Vorschläge!

@Christine Becella: Zwei sehr nette Vorschläge aus Österreich - das ist doch mal ein Beispiel für gute (Fußball-)Nachbarschaft!

@alle: vielen Dank fürs Mitmachen! Wir freuen uns auf das so genannte “kleine Finale”, und denkt immer daran: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ihr könnt also gerne weiter diskutieren und kommentieren! :-)

Václav Jazyk

Im ausgezeichneten WM-Sonderheft von “11 Freunde”, das in Reichweite auf dem Sofatisch hervorragende Ablenkung in langweiligen Spielphasen - die ja bis zu 90 Minuten dauern können - bietet, in diesem unverzichtbaren Vademecum also stehen alle Mannschaften, die an der WM teilnehmen.

Nun, das ist noch nichts Spektakuläres. Besonders hübsch finde ich allerdings, dass bei allen Teams auch der Spitzname dabeisteht.

Da finden sich dann viele Bekannte wie “Les Bleus” oder die immer wieder auch in Spielberichten checkermäßig “Bafana Bafana” genannten Südafrikaner und natürlich die “Three Lions”. Fantasievolle Namen wie “Socceroos”, gerne auch eine Nummer größer (”Super Eagles”, das Team von Nigeria). Und  - sehr gerne genommen - Anspielungen auf die Trikotfarbe wie bei “Les Bleus, der “Squadra Azzurra” oder den “Albiceleste” genannten Argentiniern.

So, und jetzt komme ich zum Punkt. Was steht da bei der deutschen Nationalmannschaft als Spitzname?

-!

-! Ein Strich!

Das darf nicht wahr sein!

Und deswegen unsere Frage: Wer hat einen schönen Spitznamen für die DFB-Auswahl?

Vorschläge bitte unten im Kommentarfeld hinterlegen. Danke!

Ihre Sprachspione, i.A.

Václav Jazyk

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