Die Bilder von Frauen, die kreischend auf den Tisch sprangen, wenn sie eine Maus sahen, waren wahrscheinlich sowieso nur ein Klischee, das durch zahlreiche Filme, Fernsehserien und Witzblätter stetig genährt wurde.. Aber auch mir als – selbstverständlich völlig unerschrockenem – Mann wird ein bisschen mulmig, wenn ich von einer Knock-out-Maus höre. Was soll das sein? Eine Maus, die boxen kann? Ein Nager, der die Katze killt – so clever und so kräftig wie Jerry in “Tom und Jerry”? Oder hat diese Maus ein Gourmet-Näschen und stellt alle Fünf-Sterne-Köche kalt – ach nein, der Super-Typ in “Ratatouille” war ja eine Ratte.
Weit gefehlt, die aktuelle Knock-out-Maus kommt aus dem Versuchslabor. Sie knockt nicht andere aus, sie wird selber ausgeknockt. Die Biomediziner haben nämlich just bei Mäusen eine Technik gefunden, mit denen sie die Funktion einzelner Gene leicht identifizieren und diese ausschalten, ausknocken können. Das heißt: Die Wissenschaftler können nun Mäuse-Mutanten züchten, bei denen einzelne Gene nicht mehr funktionieren, womit bestimmte Krankheitsherde ausgeschaltet sind.
Für die Entdeckung dieser Gen-Unterdrückung, von der man sich nun auch eine segensreiche Anwendung beim Menschen verspricht, haben drei Forscher 2007 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Und die Knock-out-Maus könnte sich damit vielleicht schon bald bis in die Wörterbücher durchgeboxt haben.
Ein gewisses Unbehagen bleibt trotzdem. Gab es nicht schon Horrorfilme mit wild gewordenen Labor-Mutanten. Spinnen, Echsen, Affen…? Wenn da bloß nichts schiefgeht. Sonst sitzt eines Tages doch noch eine Supermaus mit Riesenkräften vor meiner Haustür und schlägt zu.
Andererseits bin ich sicher, dass die meisten Knock-out-Mäuse, wenn sie die Wahl hätten, lieber draußen mit dem dicken Kater von nebenan Katz und Maus spielen würden, als im Labor ihr kurzes Dasein zu fristen…
Herzliche Grüße und bis bald!
Theodor Kant
Theodor Kant – Hat auf dem altsprachlichen Gymnasium gebüffelt und später Germanistik studiert. Arbeitet heute unter seinem Print-Namen bei einer norddeutschen Tageszeitung als Kulturredakteur. Hat zwei heitere Wörterbücher verfasst und einen Journalistenpreis gewonnen. Veröffentlicht regelmäßig Musik-, Theater-, Film- und Literaturkritiken. Liebt die deutsche Sprache.